Mensch mit überhaupt keinem Namen

Alles würde anders, warteten wir zusammen.

Der Rücken eines Unbekannten in der Schlange vor einem, das Ticken der Uhr in den Ohren. Die Zeit dehnt sich wie zäher, billiger Kaugummi, den ein Kind mit dreckigen Fingern auseinander zieht. Die langsam vorrückende Masse gestattet eine gewisse, wenn auch fragile Orientierung, doch das Gefühl des Ausgeliefertseins bleibt und macht uns zu Opfern einer inferioren Erfahrung von sozialer Macht. Warten ist politisch.

Warten gibt uns das Gefühl fundamentaler Ohnmacht. Es ist eine erzwungene Nicht-Handlung, die uns zurückwirft auf uns selbst und uns die Grenzen unseres Tuns aufzeigt. Wir sind abhängig, unterlegen und im schlimmsten Fall gibt es keinen offensichtlichen Täter, keinen Goliath gegen den wir aufbegehren können.

„Warten macht unmoralisch“ schrieb Friedrich Nietzsche. Aber ist es nicht unmoralisch warten zu lassen?

„Mensch mit überhaupt keinem Namen“ ist eine Untersuchung des Phänomens Warten und der Motive des Wartens in unserer Gesellschaft.